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Was ist Chinese Boxing?


NICHTS IST WEICHER UND NACHGIEBIGER UNTER DEM HIMMEL ALS WASSER.           
DOCH NICHTS IST BESSER UM HARTES UND STARKES ZU ÜBERWINDEN.           

Begriffe

Chinese Boxing hat recht wenig mit dem westlichen Boxen gemeinsam, es ist die Übersetzung von „Chung-Kuo Chu'an”, was wörtlich übersetzt Chinesische Faust bedeutet. Chinese Boxing stellt eine Synthese der „besten” Methoden aus verschiedenen Stilen dar, darunter T'ai-Chi Chu'an (太極拳), Hsing-I Chu'an (形意拳) Wing Chun (詠春), Pa-Kua Chang (八卦掌,), Wa Lu. Würfe, Hebel- und Kontrolltechniken (Chin Na), Bodenkampf und für den fortgeschrittenen Schüler Stock- und Messertechniken runden das Bild ab. Nicht schön anzuschauende Techniken sind uns wichtig, sondern Effektivität. Im Chinese Boxing wird der ganze Körper für den Kampf eingesetzt, im Ernstfall ohne Regeln. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es bei uns keine Wettkämpfe gibt. Gegenwärtig machen wir in Hamburg keine Graduierungen, wir tragen keine Uniformen oder Abzeichen.

Stil

Chinese Boxing ist anders als z.B. das westliche Boxen ein sogenannter innerer Stil, im Englischen spricht man von Internal Martial Arts. Dies bedeutet, dass die Schüler nach einiger Zeit erlernen sollten, die Techniken nicht nur einfach – i.e. äußerlich – auszuführen, sondern über Erfahrung lernen, ihren gesamten Körper ausgehend vom sogenannten Tan Tien – dem Körperzentrum – einzusetzen. Was rein physisch gesehen zunächst einmal zu einer Verbesserung der klassischen für den Kampf mitentscheidenden Bewegungsmotoriken führt: nämlich Kraftübertragung, Stand und Schnelligkeit. Darüber hinaus ist das „Lockersein” in unserer inneren Kampfkunst ein ganz wichtiger Aspekt: Sie führt zur körperlichen Entspannung und mentalen Gelassenheit; eine Grundveraussetzung für das erfolgreiche Bestehen jeglicher Konfliktsituation. Lao-Tse, ein chinesischer Philosoph hat gesagt: Nichts ist weicher und nachgiebiger unter dem Himmel als Wasser. Doch nichts ist besser für das Angreifen des Festen und Starken. Nichts kommt ihm gleich. Das Weiche kann das Harte überwinden. Das Bewegliche kann das Starre überwinden. Wie viele Grundideen im Chinese Boxing lässt sich dies auch als Philosophie auf den Alltag anwenden.

Synthese

Obwohl wir unseren Lehrern – direkten oder indirekten – sehr dankbar sind, frönen wir keinem Götzentum. Auch machen wir nicht ohne zu Denken irgendetwas nach, was unsere Meister oder Vorgängerstile seit Kurzem oder auch seit Jahrhunderten gutgeheißen haben. Der Schlüssel liegt eher in der Wandlung und in der Anpassung an individuelle sowie von außen einwirkende Randbedingungen.
  Wie eingangs erwähnt, besteht unsere Kampfkunst aus den besten Methoden verschiedener Stile — dies ist die sogenannte Stil-Synthese. Daneben gibt es eine persönliche Synthese der bevorzugten Techniken aus dem Chinese Boxing: Zunächst einmal liegen einem persönlich selbstverständlich einige Techniken besser als andere. Dann gibt es physische Vorteile: Beispielsweise wird ein großer Schüler mit langen Armen und dickem Trizeps wahrscheinlich andere „Lieblingstechniken” entwickeln als ein kleinerer, etwas untersetzterer Schüler mit kräftigen Oberschenkeln. Ersterer könnte z.B. Punches hart ausführen und wird vielleicht eine lange Armreichweite haben, während der Zweite sich schneller einem Gegner nähern oder von ihm entfernen könnte. Die erfolgversprechendsten Kampfkonzepte – Aktionen sowie Re-Aktionen beider – werden und sollten natürlich auch verschieden sein.
   Dies ist mit persönlicher Synthese gemeint. Es geht uns nicht um das millimetergenaue Einstudieren von Übungen, die den eigenen Körper in keiner Weise berücksichtigen oder nur als Bewegungsformen für einen Schiedsrichter zu gebrauchen sind. Konzeptionell hat unsere Kampfkunst im Rahmen der Prinzipien des Chinese Boxing also einen gewissen Spielraum für Individualismus und wird nicht nur durch ein fest auferlegtes einzutrainierendes Schema bestimmt.
  Im Training wird auf die Bewältigung von physischen Konfliktsituationen, die in der Realität keinen Regeln unterliegen, hingearbeitet. Nach einiger Zeit wird sich ein verbessertes inneres Gleichgewicht einstellen, was auch der Bewältigung von geistigen Konfliktsituationen im Alltag dienlich ist.

Prozess

Wir glauben nicht an die ultimative Technik. Unsere Schule vermittelt Chinese Boxing als ein Prozess, der nicht zu Ende geht, solange man diese Kampfkunst betreibt. Unseren Lehrern, Detlef Zimmermann und Manfred Steiner, die uns auf diesen Weg geführt haben, gebührt unser Dank.

Fitness

Unsere Kampfkunst kommt ohne Kraft und Akrobatik aus, ist also demnach auch für im körperlichen Sinne unterlegene Menschen geeignet. Dennoch erachten wir es als sinnvoll, physische Grundbewegungsmotoriken zu schulen und einen gewissen Grad von Fitness zu erreichen. Neben der Steigerung der physischen und psychischen Ausgeglichenheit dient dies dazu, generell seine Grenzen und Möglichkeiten zu erfahren, diese auszureizen und durch Training auszudehnen zu können. Wert legen wir dabei auf gesunde sowie für unsere Kampfkunst zweckmäßige Übungen.

Training

Die Schüler sollen Spaß und Engagement zum Training mitbringen. Ebenso sind Höflichkeit und Respekt gegenüber Mitmenschen für uns selbstverständlich. Unsere Kampfkunst soll bei allem Ernst an der Sache Freude bereiten. Deshalb legen wir Wert auf eine positive Trainingsatmosphäre und solche Mitmenschen, die diese Punkte beherzigen.

Unser Training findet freitags als Doppelstunde statt. Mitzubringen sind gute Laune und normale (Hallen-)Sportbekleidung nebst Hallentrainingsschuhe. Kostenlose Probestunden sind jederzeit möglich, am Besten vorher kurz anrufen.


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